Digitaler Unterricht während Corona

Bei digitalem Schulunterricht in Zeiten von Corona gibt es wenig Vorerfahrung, viele Hürden, aber große Offenheit für mehr Digitalisierung
19 Januar 2021
Digitaler Unterricht
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Zwei Drittel der SchülerInnen, Eltern und Lehrkräfte erlebten beim digitalen Unterricht während Corona konkrete Hürden. Das häufigste Problem waren uneinheitliche Vorgaben bzw. Vorgehensweisen, die rund 60 Prozent erlebten, Lehrkräfte noch deutlich öfter. Die Hälfte gab an, dass nur die Übermittlung des Materials digital erfolgte, die Lehrmittel und Bearbeitung ansonsten aber analog blieben. 42 Prozent hatten Schwierigkeiten damit, dass es keine einheitliche Vorgehensweise gab, wie und wo Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt wurde. Das am zweithäufigsten genannte Problem beim digitalen Unterricht war die Selbstorganisation, die SchülerInnen zwar seltener nannten, aber dafür häufiger als größte Belastung empfanden als Eltern oder Lehrkräfte. Eine seltenere Hürde bestand dagegen in der Infrastruktur: 16 Prozent der Betroffenen gaben an, nicht über genügend Geräte zu verfügen, 14 Prozent beklagten eine zu schlechte Internetverbindung. Hier berichten vor allem die Lehrkräfte von Problemen.

Dazu Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21: „Corona verdeutlicht, dass effektiver digitaler Unterricht weit mehr erfordert als die Ausstattung mit Computern und Internet. Ob Lehrkräfte, SchülerInnen oder Eltern – alle Seiten berichten von Hürden. Schulen brauchen mehr strategische Unterstützung: Bei den Veränderungen im Bereich der Organisation, der Entwicklung von Digitalkonzepten, sowie Investitionen in professionelle IT-Betreuung und Personalentwicklung. Hierfür würde sich eine Taskforce aus Bund und Länder zusammen mit PraktikerInnen anbieten, um einen Fahrplan für die Umsetzung zu erarbeiten.“ 

Lehrkräfte müssen digital fitter werden – das wünschen sie sich auch selbst

Digitaler Unterricht kann den Präsenzunterricht in Schulen nicht ersetzen, sagen mehr als 80 Prozent der SchülerInnen, Lehrkräfte und Eltern. Trotzdem haben sowohl SchülerInnen als auch Lehrkräfte Lust auf mehr Digitalisierung und wünschen sich mehr Bewegung und Flexibilität im Bildungswesen:  Knapp drei Viertel fordern mehr Mut im Schulwesen, so dass Schulen öfter neue Lernformen oder digitale Arbeitsweisen ausprobieren und sie auch wieder verwerfen sollten, wenn diese nicht funktionieren. Die Mehrheit aller Befragten (78 Prozent) befürwortet, dass Lehrkräfte künftig verpflichtende Fortbildungen erhalten, wie sie digitale Lernformate nutzen können. Dem stimmen auch die Lehrkräfte selbst in besonders hohem Maße zu. „Lehrkräfte bleiben bei der Umsetzung des digitalen Unterrichts zu oft auf sich gestellt, während auf ihnen die größte Verantwortung lastet“, stellt Prof. Barbara Schwarze aus dem Präsidium der Initiative D21 fest. Sie fordert: „Wir müssen Lehrkräften viel stärker den Rücken freihalten, damit sie sich auf Inhalte und pädagogische Methoden konzentrieren können. Für die deutlich vermehrten organisatorischen Aufgaben müssen Schulträger und Politik neue Lösungen finden. Dazu gehört ein konkreter Werkzeugkasten an digitalen Tools und Plattformen, die alle notwendigen Anforderungen erfüllen und aus denen die Lehrkräfte sich bedienen können. In diesem Rahmen braucht es auch eine Offenheit für ‚Trial-and-Error‘. Parallel dazu benötigen die Lehrkräfte gezielte Weiterbildungen zum Ausbau ihrer digitalen Kompetenzen.“

Mehrheit der Deutschen erwartet Schub für digitale Bildung nach Corona

70 Prozent der Befragten erwarten, dass es nach der Corona-Pandemie mehr digitale Anwendungen im Bildungsbereich geben wird. Die meisten von ihnen gehen davon aus, dass künftig mehr digitale Medien und Materialien im Unterricht eingesetzt (72 Prozent) und Schulen besser mit digitaler Infrastruktur ausgestattet werden (70 Prozent). Die große Mehrheit der Befragten, die von diesen Veränderungen ausgehen, steht dem digitalen Wandel im Bildungsbereich positiv gegenüber (82 Prozent). Mehr als die Hälfte aller Befragten (60 Prozent) befürchtet jedoch, dass die Corona-Pandemie Ungerechtigkeiten im Bildungswesen verschärft./p>

Mehr zu den Ergebnissen erfahren Sie auf der Website der Initiative D21.

Studie und Methodik: Der „D21-Digital-Index“ ist eine repräsentative Studie der Initiative D21, durchgeführt von Kantar. Die Befragung erfolgte per face-to-face-Interview (CAPI) im Juli 2020 und erfasste die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahren (n = 2.038). Aus der bevölkerungsrepräsentativen Erhebung resultieren für die betrachteten Untergruppen folgenden Fallzahlen: Eltern (n=205), SchülerInnen (n=155) und Lehrkräfte (n=40, die Ergebnisse dieser Gruppen werden aufgrund der geringen Fallzahl lediglich als Tendenzaussagen aufgeführt).

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