Die Zufriedenheit der ÖPNV-Fahrgäste erreicht einen neuen Positivrekord – das ÖPNV-Kundenbarometer 2026 macht die besten Bewertungen sichtbar

OEPNV 2026
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Viktoria Becker

Public Relations

Anselm Speich
Anselm Speich

Projektleiter ÖPNV-Kundenbarometer

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Die EVAG Erfurt führt das deutsche Ranking an – gefolgt von ÜSTRA Hannover, RSAG Rostock und DVB Dresden. Im Gesamtranking mit Österreich liegen die Innsbrucker IVB vorn. 

Das Forschungsteam von Kantar hat aufgezeigt, dass sich die Globalzufriedenheit der ÖPNV-Fahrgäste in Deutschland erstmals seit zwei Jahren wieder erholt.  
Getragen wird diese positive Entwicklung vom Angebot und vom Personal der ÖPNV-Anbieter. Gleichzeitig bleibt das Preis-Leistungs-Verhältnis der zentrale Bremsfaktor – und bei der Zuverlässigkeit verliert die Branche sogar an Boden. Auch die Globalzufriedenheit bei den teilnehmenden Verkehrsunternehmen und -verbünden am „ÖPNV-Kundenbarometer 2026“ erreicht einen neuen Bestwert. Innerhalb der Teilnehmer jedoch zeigt sich ein differenzierteres Bild. 

Erneut haben sich in diesem Jahr 45 Verkehrsanbieter am ÖPNV-Kundenbarometer beteiligt. Kantar, das weltweit führende Unternehmen für Marketing-Daten und -analysen, untersucht seit 28 Jahren kontinuierlich Nutzungsverhalten und Zufriedenheit der Fahrgäste im ÖPNV. 

An der Spitze der deutschen Teilnehmer bei der Globalzufriedenheit steht die EVAG Erfurt. Auf den weiteren Plätzen folgen die ÜSTRA Hannover, die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) und die Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB). Unter den Verkehrsverbünden liegt der Hamburger Verkehrsverbund (hvv) vorn, gefolgt vom Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) und dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV). Zudem wurde die Zufriedenheit mit unterschiedlichen Leistungen von ÖPNV-Anbietern erfragt. Bei den deutschen Unternehmen teilen sich 32 Unternehmen die ersten drei Plätze, am häufigsten auf dem „Treppchen“ stehen die EVAG und die DVB. 

Die EVAG punktet vor allem über Angebot, Service und Kommunikation: Sie gewinnt unter anderem beim Netz, bei den Anschlüssen, der Pünktlichkeit und der Schnelligkeit der Beförderung ebenso wie bei Apps und mobilen Informationen, bei der Freundlichkeit des Fahrpersonals und der Beratung in den Kundenzentren. Stark ist sie auch dort, wo die Branche insgesamt am schwächsten abschneidet: bei den Informationen im Störungsfall. Die ÜSTRA und die DVB überzeugen – nur knapp hinter der EVAG – mit einem dicht geknüpften Liniennetz, die RSAG punktet mit hoher Zuverlässigkeit. Die DVB ist zudem führend bei vielen fahrzeug- und haltestellenbezogenen Merkmalen,  

Bewegung zeigt sich auch im Mittelfeld der Teilnehmer: Am deutlichsten gesteigert haben sich die Stadtwerke Hürth, DSW21 aus Dortmund, die Rüsselsheimer Mobilitätsgesellschaft und die Stadtwerke Heilbronn.  

Den besten Wert der gesamten Studie erzielt allerdings ein Teilnehmer jenseits der deutschen Grenze: Die Innsbrucker Verkehrsbetriebe und Stubaitalbahn GmbH (IVB) führen das Gesamtranking an – mit der höchsten Globalzufriedenheit, die im ÖPNV-Kundenbarometer je gemessen wurde.  

Die IVB überzeugen dabei auf ganzer Linie: Sie führen beim Netz sowie der Taktfrequenz, bei Zuverlässigkeit, Tarifsystem, Fahrkartensortiment und den Fahrkartenautomaten, sowohl bei Sauberkeit, Platzangebot und abendlicher Sicherheit in den Fahrzeugen als auch bei zahlreichen haltestellenbezogenen Merkmalen, hierunter Komfort, Sauberkeit, Sicherheit abends, Fahrplan- und Störungsinformationen. Auch sind sie im gesamten Teilnehmerfeld führend bei den Aktivitäten zur Umweltschonung und beim Internet-Auftritt.  

Ein kompaktes, dicht getaktetes Netz in einer überschaubaren Stadt erweist sich als struktureller Vorteil. „Was wir in Innsbruck sehen, ist kein Zufallsergebnis, sondern das Resultat eines in sich stimmigen Systems“, analysiert Jens Lohse, Director bei Kantar. „Wenn Netz, Takt, Tarif und Sauberkeit gleichzeitig funktionieren, entsteht ein Qualitätsniveau, das sich in jeder einzelnen Bewertung niederschlägt“. 

Dass es im ÖPNV-Kundenbarometer nicht nur dieses eine Erfolgsmodell gibt, zeigt der Blick auf Erfurt: Während die IVB insbesondere über Infrastruktur und Fahrerlebnis punkten, gewinnt die EVAG eher bei Angebot, Service und Kommunikation. 

Den stärksten Einfluss auf die Globalzufriedenheit hat das Leistungspaket Angebot. Beim Netz führt unter den deutschen Unternehmen die EVAG vor der DVB und der ÜSTRA; bei Taktfrequenz und Anschlüssen führt die EVAG jeweils vor der ÜSTRA und der DVB.  

Ein weiterer wesentlicher Bereich zur Sicherung der Kundenzufriedenheit betrifft die Verlässlichkeit des ÖPNV-Angebots: In der gesamtdeutschen Betrachtung verschlechtert sich die Zuverlässigkeit als einziges zentrales Leistungsmerkmal der Studie signifikant. „Das ist der Befund, der uns in diesem Jahr am meisten beschäftigt“, so Lohse. „Die Branche investiert sichtbar in Netz und Takt – und verliert gleichzeitig bei dem Versprechen, das für Fahrgäste am schwersten wiegt: dass die Fahrt auch tatsächlich wie angekündigt stattfindet.“ Im Ranking der deutschen Teilnehmer liegt bei der Zuverlässigkeit die EVAG vor der RSAG und der SWU Ulm; beim Thema Pünktlichkeit führt ebenfalls die EVAG, gefolgt von SWU Ulm und der RSAG.  

Am kritischsten bewerten die Fahrgäste weiterhin die Tarifmerkmale. Am besten gelingt der Spagat zwischen Preis und Leistung in Deutschland den Stadtwerken Biberach vor den Stadtwerken Hamm und Neu Ulm. Beim Tarifsystem führt Biberach vor der GöVB Göttingen und Hamm, beim Fahrkartensortiment erneut Biberach vor Hamm, Neu Ulm und der RSAG. 

Deutlich freundlicher fällt das Urteil über die digitalen Vertriebswege aus. Beim Handy-Ticket führen in Deutschland die GöVB Göttingen vor der MVG München und der Mainzer Mobilität. „Das Produkt stimmt, der Preis oftmals nicht“, erklärt Anselm Speich, Projektleiter des ÖPNV-Kundenbarometers bei Kantar. „Die Fahrgäste honorieren ein breites, digital zugängliches Ticketangebot. Was sie zunehmend hinterfragen, ist der Gegenwert, den sie für ihr Geld bekommen.“ Auch die Umsetzung des Deutschlandtickets gelingt den Verkehrsunternehmen, allen voran der HAVAG Halle. Der Kontrast zum klassischen Fahrkartenautomaten, der auch im Benchmark schwach abschneidet, könnte kaum größer sein.  

Ein durchgängiges Muster zieht sich zudem durch die Ergebnisse: Das Fahrzeug wird deutlich besser bewertet als die Haltestelle, bei der Sicherheit am Abend ebenso wie bei Sauberkeit und Störungsinformationen. Am besten aufgestellt hinsichtlich der Aufenthaltsqualität an den Haltestellen sind in Deutschland bezüglich Sauberkeit die Stadtwerke Bamberg, die MVG in München und die Stadtwerke Biberach. Bei Komfort und Ausstattung der Haltestellen führen die EVAG vor den Stadtwerken Münster und den Stadtwerken Ulm. 

Die größte Spreizung findet sich im Leistungspaket Informationen: Apps und mobile Informationen gehören zu den Stärken der Branche – vorn liegen in Deutschland EVAG, DVB und die BSAG. Auch die Fahrplanauskunft im Internet (vorn: DVB) und der Internet-Auftritt (vorn: EVAG) werden sehr gut beurteilt. Demgegenüber bilden die Informationen im Störungsfall, insbesondere an den Haltestellen, das Schlusslicht der Studie. Hier ist die DVB noch vergleichsweise am besten. 

Versöhnlich fällt das Bild in Deutschland beim Personal aus: Die Freundlichkeit des Fahrpersonals wird angeführt von der EVAG vor den Stadtwerken Neumünster und der ÜSTRA; bei der Beratung in den Kundenzentren liegt die EVAG vor regiobus Hannover und der BSVG Braunschweig. Bei den Aktivitäten zur Umweltschonung überzeugen die Stadtwerke Münster, die Stadtwerke Hürth und die GöVB am meisten. „Ein sympathisches, kompetentes und engagiertes Auftreten stärkt das Image eines Verkehrsunternehmens – und damit auch die Bewertung seiner Gesamtleistung“, resümiert Anselm Speich. 

Fazit: Die ÖPNV-Branche hat sich deutschlandweit in vielen Bereichen stabilisiert, z.B. bei Netz, Takt und Personal. Kritische Themen bleiben das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Verlässlichkeit des ÖPNV. Die Studienergebnisse der Teilnehmer am ÖPNV-Kundenbarometer 2026 belegt diesen grundsätzlich positiven Trend, deckt jedoch auch individuelle Stärken und Schwächen teilnehmender ÖPNV-Anbieter auf. Bei der Globalzufriedenheit wird die Hälfte der teilnehmenden Unternehmen besser bewertet als im vergangenen Jahr, gleichzeitig sinkt die Zufriedenheit bei der anderen Hälfte. Die Spitzenposition im Ranking entscheidet in diesem Jahr am häufigsten die EVAG für sich, gefolgt von der DVB und den Stadtwerken Biberach. Allerdings gibt es einen einsamen Spitzenreiter: Die IVB aus Österreich sind bei 18 Leistungsmerkmalen besser als das beste deutsche Verkehrsunternehmen.  

Hinweis: Alle genannten Rankings basieren auf den Ergebnissen des ÖPNV-Kundenbarometers 2026 (Befragungszeitraum: 14.04. bis 16.07.2026). Für den MVV wurde ein Ausschnitt aus der kontinuierlichen Zufriedenheitsbefragung berücksichtigt (04.05. bis 20.07.2026).  

 

Über das ÖPNV-Kundenbarometer  

Das ÖPNV-Kundenbarometer erfasst jährlich die Zufriedenheit der Fahrgäste ab 16 Jahren mit dem öffentlichen Nahverkehr. 2026 umfasst die Studie rund 22.000 repräsentative Telefon- und Online-Interviews mit Nutzerinnen und Nutzern von ÖPNV-Verkehrsmitteln in 45 Bedienungsgebieten von Verkehrsverbünden und Verkehrsunternehmen. Die Fahrgäste wurden unter anderem nach ihrem Nutzungsverhalten und ihrer Zufriedenheit mit über 50 Leistungsmerkmalen befragt.  

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